Koalitionsvertrag veröffentlicht

Das Resultat der Koalitionsverhandlungen zwischen VVD, CDA, D66 und ChristenUnie liegt seit dem 10.10.2017 vor. Der Koalitionsvertrag ist die Grundlage für die neu geformte Regierung unter Mark Rutte (VVD), die die Niederlande in das nächste Jahrzehnt führen wird. Aus steuerlicher Perspektive stechen vor allem die Maßnahmen hervor, die den Standort Niederlande für Unternehmen deutlich interessanter machen.

Die niederländische Körperschaftsteuer kennt zwei Tarife – derzeit 20% für ein körperschaftsteuerpflichtiges Einkommen bis 200.000 Euro und darüber 25%. Bis zum Jahr 2021 ist eine Reduktion dieses Tarifs auf 16% respektive 21% avisiert. Die geplante Erweiterung des reduzierten Tarifs von 200.000 Euro auf ein einkommensteuerpflichtiges Einkommen von 350.000 Euro wird hingegen nicht weiterverfolgt. Allerdings wird im Gegenzug eine Zinsschranke eingeführt, die relativ strikt, das Mindestschutzniveau der EU Richtlinie zur Bekämpfung von Steuervermeidungspraktiken (ATAD I) EU-2016/164 übertreffend, ausgestaltet werden sein wird. Die Grenze bis zu der Zinszahlungen Abzugsfähig sein werden, wird wahrscheinlich 1 Mio. Euro an Fremdkapitalkosten betragen. Ausnahmeregelungen für Konzerne sind nicht zu erwarten. Ebenfalls im Sinne einer wahrnehmbaren Tendenz zur Ausweitung des Steuersubstrats ist die Verkürzung des Verlustvortrags von derzeit 9 Jahren auf 6 Jahre.

Für das Verhältnis mit Deutschland und anderen EU-Ländern von begrenzter Relevanz ist die Abschaffung der Dividendensteuer, die von niederländischen Unternehmen einzubehalten ist, sofern keine Befreiung hierfür vorliegt. Diese Änderung soll bis zum Jahr 2019 erfolgen und ist hauptsächlich als administrative Vereinfachung zu sehen. Jedoch, systemisch bedingt, wird das direkte Investieren von Fonds in Immobilien in den Niederlanden nicht länger möglich sein. Mit der Dividendensteuer wurde die Besteuerung solcher Investitionen in den Niederlanden erreicht. Nach dem Wegfall dieser Steuer, entfällt auch die Möglichkeit um direkt in niederländische Immobilien zu investieren.

Außerdem wird man eine Quellensteuer auf Zinsen und Lizenzgebühren einführen, die bei Zahlungen an noch zu definierenden Niedrigsteuerländer greift. Auch dem allgemeinen Trend zur Abkehr von steuerlicher Innovationsförderung folgend, wird der vergünstigte Steuersatz der Innovation Box von 5% auf 7% erhöht.

Nicht steuerlicher Natur ist die Reduktion der Pflicht zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall von 2 Jahren auf 1 Jahr für Arbeitgeber bis zu einer Größe von 25 Arbeitnehmern.

In der Gesamtschau liegt der Vorteil vor allem in den zu reduzierenden Körperschaftsteuertarifen. Allerdings sollten Maßnahmen, wie die Einführung einer Quellensteuer für Zinsen und Lizenzgebühren bei Zahlungen in Niedrigsteuerländer dem Ansehen des Standortes der Niederlanden deutlich nützen. Ebenso, lässt die Ankündigung die Lohnfortzahlung auf 1 Jahr für Arbeitgeber mit bis zu 25 Arbeitnehmern zu reduzieren, hoffen, dass in der neuen Koalition das notwendige Bewusstsein für gute unternehmerische Rahmenbedingungen vorhanden ist.

2017-12-14T22:20:32+02:00 By |